Der mündige Konsument

Wie wäre es, wenn wir auf unseren Smartphones ein App installieren könnten, dass uns jederzeit darüber informiert, wenn wir ein Produkt kaufen wollen, dessen Hersteller Gesundheitsvorschriften missachtet, Grundrechte verletzt, Menschenrechte mit den Füßen tritt oder unsere Umwelt unverhältnismäßig schädigt?

Ein effektiver Konsumentenboykott ist eindeutig durch das Grundrecht der Meinungsfreiheit geschützt: In einem Grundsatzurteil vom 15. Januar 1958, dem sogenannten Lüth-Urteil, stellte das Bundesverfassungsgericht klar, dass der Aufruf zu einem Boykott eine zulässige Ausübung der Meinungsfreiheit nach Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes ist, es sei denn ein Wettbewerber würde zum Boykott eines Konkurrenten aufrufen. (Wikipedia: Boykott und Konsumentenboykott)

Nun, die Technik hierfür ist bereits vorhanden: Die notwendigen Softwarekomponenten müssen nur noch mit den ebenfalls vorhandenen Datenbankinhalten verknüpft werden und das Ganze ein wenig Benutzerfreundlich gestaltet werden. Wie dies dann im Realitätseinsatz beim nächsten Einkauf im Supermarkt aussehen könnte zeigen folgende Bilder:

Im einzelnen passiert folgendes:

  • Auf einem Android Smartphone wird ein App installiert, das einen Barcode Scanner enthält
  • Der Käufer scannt damit den EAN-Code auf der Verpackung des gewünschten Produktes
  • Das Smartphone stellt eine Verbindung zu einem Server im Internet her und übergibt den gescannten EAN-Code
  • Der Server ermittelt anhand der OPEN EAN Database den Hersteller des gescannt Produktes
  • Anhand des Herstellernamens werden kritische Herstellerinformationen zusammengestellt und an das Smartphone zurückgeschickt in Form einer übersichtlichen Webseite
  • Der Kunde im Supermarkt erhält auf diesem Wege in sekundenschnelle Informationen über das Verhalten des Hersteller in Bezug auf Umwelt-, Gesundheits- oder Menschenrechtsthemen

Auf diesem Wege hat der Kunde die Möglichkeit jederzeit aktiv sein Kaufverhalten auf Basis relevanter Informationen über den Hersteller anzupassen. Darüber hinaus könnten Informationen über Alternativprodukte angeboten werden von Herstellern, die mit unseren Ressourcen und unseren Rechten respektvoller und schonender umgehen.

Würde ein hinreichend großer Teil der Konsumenten eine solche Technik nutzen, dann wären die Zeiten schnell vorbei, in denen kleiner und größere Skandale über Futtermittel, kontaminierte Lebensmittel oder unsaubere Praktiken der Hersteller in Entwicklungsländern wieder vergessen sind. Vorbei sind dann die Zeiten in denen Unternehmen trotz ihrer verbrecherischen Praktiken nach einer gewissen Zeit des Vergessens weiterhin auf Umsatz hoffen können. Vorbei wären die Zeiten, in denen sich der Konsument aufgrund der Desinformation unmündig durch die bunten Regale kauft, weil er nicht immer im Hinterkopf haben kann, welche Kosmetikprodukte durch Tierversuche entwickelt wurden.

Was auf den Fotos gezeigt wurde ist technisch heute bereits möglich und die entsprechende Technik wird unten im Einzelnen skizziert. Eine für den Endverbraucher taugliche Software ist noch zu entwickeln. Allerdings ist dies in wenigen Programmierstunden erledigt.

Als Datenbasis für die Produzenteninformationen könnte eine solche Applikation zunächst auf die einschlägigen Artikel in der Wikipedia verweisen (jeder Produzent wird inzwischen in der Wikipedia geführt, einschließlich einer ausführlichen Darstellung aller Rechtsverstöße)

In einer weiteren Ausbaustufe könnte eine eigene Wiki alle Informationen zu einem Hersteller aggregieren und den Konsumenten so schnell über eine Art Ampelcode auf Probleme hinweisen.

Vielleicht findet sich eine clevere Gruppe von Softwareentwicklern, die an einem solchen Projekt Interesse hat. Dies wäre dann eine weitere Befreiungstechnologie, die uns von dem Informationsmonopol der Konzerne ein großes Stück löst.

Technische Details:

  • Als Basis App für die Bilder wurde QR Driod verwendet; dort kann man in den Einstellungen konfigurieren, welche Webseite mit dem gescannten EAN-Code aufgerufen werden soll

  • Den Hersteller kann man dann mit einem Serverscript und einer Abfrage der OPEN EAN Database ermitteln.
  • Mit dem Herstellername ist dann eine Recherche in der Wikipedia  oder ein Zugriff auf eine andere Datenbank über Informationen zu dem Hersteller automatisierbar.
  • Als Basis für einen benutzerfreundlichen Barcodescanner kann die Android open-source, multi-format 1D/2D barcode image processing library Zebra Crossing genutzt werden. Darauf basiert auch der im Android bereits vorhandene Barcode Scanner.
  • Der Rest dürfte noch ein wenig Fleißarbeit bezüglich der Datenbank sein.

7 Responses to Der mündige Konsument

  1. Purodha Blissenbach says:

    Hört sich gut an!

  2. Purodha Blissenbach says:

    Nebenbei – auf die Weise könnte man auch die von der Lobby verhinderte Lebensmittel-Ampel liefern.

  3. mypdscanner says:

    Ja, da lassen sich viele weitere Informationen für uns Konsumenten platzieren.
    Dankbar wäre beispielsweise auch, dass neben der Warnung vor bestimmten Herstellern auch alternative Hersteller genannt werden, auf die ausgewichen werden könnte. Da ist oftmals nur ein Griff 1 Meter weiter im Regal notwendig.

  4. padeluun says:

    Schau dir mal Barcoo an – das dürfte das schon ganz umsetzen …

  5. mypdscanner says:

    Ja Barcoo ist da schon einen großen Schritt in dieser Richtung gegangen. Die technische Umsetzung ist sehr gut. Allerdings hat Barcoo auch Nachteile:

    – Barcoo finanziert sich wahrscheinlich durch die Herstellerinformationen. Echte Unabhängigkeit oder gar die Unterstützung von Boykottaufrufen ist da im Ernstfall eher nicht zu erwarten.
    – Versteckte Werbung durch Informationen, die vom Hersteller selbst kommen (siehe Coca Cola bei Barcoo)
    – Komplexe Darstellung der Informationen: Damit wird es dem Konsumenten nicht leichter. Man sollte besser gleich anhand eigener Präferenzen auf den ersten Blick sehen können, wie sich ein Hersteller verhält. Bei Barcoo muss man sich zunächst durch viele Informationen durchklicken, um sich ein Bild zu machen.

    Dennoch Barcoo ist (solange eine echte Boykottsoftware existiert) eine erste Alternative.

    http://www.barcoo.com/

  6. Hallo,
    Wenn ich es richtig sehe, gibt es sowas bereits. Das System heisst Codecheck. Die Macher von codecheck sitzen in Zürich (Schweiz).
    Webseite – http://www.codecheck.info

    Eine Pressemeldung (Juni 2011) hier – http://blog.soziales-dorf.eu/module-news-display-sid-260.html

    Ich meine, es wäre ziemlich unklug, so etwas Aufwändiges, was vielleicht mal Millionen Menschen benutzen sollen, zweimal zu entwickeln. Weshalb das Rad doppelt erfinden?

    Gruß
    @KonsumBoykott

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